Fußball-Kreisklasse: Gleich sieben Spieler entscheiden sich kurzfristig für den VfB und sorgen damit für reichlich Aufsehen

Erwacht in Stolzenau ein schlafendes Schwergewicht? Die Fußball-Abteilung des VfB Stolzenau hat einige harte Jahre hinter sich und sorgte zuletzt für negative Schlagzeilen. Noch im April berichtete DIE HARKE über einen Vorfall in einem Spiel der 3. Kreisklasse, als VfB-Spieler einem Schiedsrichter mit dem Tod gedroht haben sollen. Nun möchten die Stolzenauer wieder mit sportlichen Nachrichten auf sich aufmerksam machen und setzen dafür mit gleich sieben Neuzugängen ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt. Einige von ihnen nehmen dafür einen bemerkenswerten Schritt nach unten in Kauf.

Marcel Hatzenbiller und Jannik Hintz wechseln vom Bezirksligisten TuS Leese über die Weser und spielen künftig vier Ligen tiefer. Hatzenbiller galt in der vergangenen Spielzeit als eine der tragenden Säulen der Leeser Defensive. Mit Diar Houra und Azad Bichou (beide TuS Steyerberg) sowie Nadimo Khalaf (SV Inter Komata Nienburg) kommen zudem drei Spieler aus der Kreisliga. Die Neuzugänge komplettieren Sebastian Monecke und Liam Middlebrook von der SG Anemolter-Schinna I/TuS Leese II. Mit diesen starken Neuzugängen hat VfB-Trainer Artur Sargsyan überhaupt nicht gerechnet, freut sich jedoch umso mehr. „Ich war selbst überrascht. Aber wenn die Jungs befreundet sind, locken sie sich gegenseitig“, sagt der 38-Jährige, der in sein zweites Jahr beim VfB geht.

Die Wechsel zeigen zugleich das Potenzial des Standorts Stolzenau. Fünf der sieben Neuzugänge stammen aus dem Ort. Die umliegenden Vereine haben sich die besten Kicker des Ortes in den vergangenen Jahren gewissermaßen aufgeteilt. Genau diese Entwicklung möchte der VfB nun umkehren. „Wir wollen Stolzenau präsentieren und neu gestalten“, erklärt der Trainer. Der Verein wolle weg vom negativen Image der vergangenen Jahre und wieder positiv auf sich aufmerksam machen. „Das ist unser Projekt. Stolzenau gehört auf die große Bühne.“

In den kommenden Jahren sollen weitere gebürtige Stolzenauer zum VfB zurückkehren. Zudem steht die Jugendarbeit im Fokus. Die B-Jugend von Coach Hüsnü Akan – der Sargsyan übrigens vor einem Jahr zum VfB lotste – soll mittelfristig in den Herrenbereich aufrücken. Mit den sieben Neuen im Sommer geht der VfB künftig mit einem 22 Mann starken Kader in die Saison. Für den Fünften der abgelaufenen Saison sind die kurzfristigen Ziele damit klar definiert: „Das Ziel ist der Aufstieg. Sonst wären die Jungs auch nicht gekommen“, macht Sargsyan keinen Hehl aus den Ambitionen.

Geräuschlos verliefen die Wechsel allerdings nicht. Erst Mitte Juni tauchten Gerüchte über die Wechselabsichten auf. Kurz darauf folgte die bittere Gewissheit für die abgebenden Vereine. In Leese und Steyerberg sorgten die kurzfristigen Abgänge für reichlich Verwunderung, da mit den Spielern für die kommende Saison fest geplant wurde. Dass der VfB der aufnehmende Verein ist, dürfte bei einigen Beteiligten gar für Kopfschütteln gesorgt haben. Für die Stolzenauer zählt hingegen der Blick nach vorne: Die Transfers könnten der erste wichtige Schritt hin zu wieder gefestigtem Herrenfußball sein. Das Potenzial dafür ist mit der Größe des Ortes und der schönen Weserkampfbahn jedenfalls vorhanden.

Quelle: Die Harke v. 13.07.2026 | Fotos: Lucas Harmsen

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